......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt

Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.

Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945)

Grabinschrift

„Wenn Du mal gestorben bist, lasse ich auf Deinen Grabstein schreiben:

Sie hat nicht gelebt.
Sie hat nicht geliebt.
Sie hat nicht genossen.
Sie hat sich niemals gehen lassen.
Aber es war immer alles sauber.“

(Carla Berling)


Ich würde ja im Grab rotieren und vor Entsetzen glatt nochmals sterben. 

Single, und nun?

„Frau Müller, Sie sind seit einigen Jahren Single. Stört Sie das nicht? Vermissen Sie nichts?“

„Nein. Ich hatte meine Beziehungserfahrungen. Manche verdammt gut, manche sehr schräg, manche erbärmlich, manche gefährlich – alle ausgesprochen lehrreich.“

„Und nun sind Sie zufrieden? Nicht einsam?“

„Zufrieden ja. Einsam manchmal. Allerdings wäre mir heute der Preis für eine innige, konventionelle Zweierbeziehung in manchen Bereichen viel zu hoch.“

„Fehlen Ihnen nicht Sinnlichkeiten und Erotik?“

„Sie meinen Sex? Dafür brauche ich heute keine feste Partnerschaft mehr mit allem Drum und Dran. Ich kann ganz gut für mich sorgen und muss bei Befriedigung meiner derartigen Bedürfnisse nicht mehr gleich in die Beziehungskiste springen.“

„Welche Art von Partnerschaft könnten Sie sich denn heute vorstellen für sich?“

„Zwei Modelle. Modell eins: Ich treffe auf einen Menschen, dessen Interessen, Wissen, Humor, Erfahrungen, Haltung, Menschenbild, Spontanität, Sinnlichkeiten und Sehnsüchte sich von jetzt auf gleich mit den meinen derartig verzahnen, so dass die Form der Beziehung unerheblicher Schnickschnack wäre, der keiner sofortigen Klärung bedürfte. So als würde man sich schon seit ewigen Zeiten kennen. Kein Beginn bei null, sondern gleich mittendrin. Modell zwei, und Achtung, hier wird es müllerisch: Ein Mensch, der gänzlich anders tickt als ich, mich aber durch dieses Anderssein dermaßen verzückt, dass ich ihm durch die ganze Welt (im wörtlichen Sinne) folgen und ihn begleiten würde bei seinen Lebensabenteuern. Als Gefährtin, Beraterin, Zuschauerin, Teilende im Sinne von: Wir lachen uns gemeinsam schräg über seine und meine amüsanten und manchmal verworrenen Unternehmungen zur Befriedigung unserer jeweiligen Lebensgelüste. Übrigens in beiden Fällen spielen für mich Geschlecht gar keine und Alter nur eine situationsbedingt jeweils genau zu überprüfende Rolle.“

„Nun, Frau Müller, das sind Vorstellungen, die kaum zu erfüllen sein werden und auch sehr wenig mit klassischen Beziehungsmodellen zu tun haben.“

„Ach? Wir werden sehen. Und bis dahin habe ich ja mich und meine Zufriedenheit mit mir. Ausreichend, ausgesprochen ausreichend.“

Missverständnisse. Grundlegende.

„Was heute so in der Welt los ist, das ist ja erschreckend!“

„Die Busfahrt in die nächste Stadt kostet mich jetzt zehn Euro hin und zurück. Das kann ich mir von meiner Rente gar nicht leisten.“

„Ähm, ich meinte eher so das Politische.“

„Der Bäcker hat jetzt auch zu gemacht. Wenn ich frisches Brot will, dann muss ich in den nächsten Ort fahren. Das schaffe ich im Winter oft gar nicht.“

„Die Rechten, die USA, der Nahostkonflikt!“

„Wenn mein Hausarzt jetzt seine Praxis aufgibt, dann gibt es hier keinen Arzt mehr. Nur noch in den großen Gemeinden. Das macht mir Angst.“

„Man, du hast doch bestimmt auch gehört, was der Höcke und der Trump so menschenverachtendes von sich geben?!“

„Manchmal schaffe ich es nicht mehr dreimal am Tag mit meinem Hund Gassi zu gehen. Die Beine wollen nicht mehr. Was soll ich bloß machen, wenn das noch schlimmer wird?“

„Wen wirst du wählen im September?“

„Immer öfter fühle ich mich so einsam und allein gelassen. Meine Kinder leben ihr eigenes Leben und viele meiner Freundinnen von früher sind entweder tot oder weggezogen. Ich weine dann manchmal.“

„Mein Gott, du bist ja so unpolitisch. Kein Wunder, dass die Rechten immer mehr werden und die Welt zugrunde geht!“



Wir sprechen zu oft über die falschen Menschen und Dinge. Wir hören nicht zu. 

Vorsorgen

Bundesregierung warnt vor Altersarmut besonders für Geringverdiener und rät zur Privatvorsorge. Also los, ihr Geringverdiener, schnappt euch die nächsten Aktienbündel, kauft Wohnungen, Häuser, Wertpapiere und all das Zeugs! Ansonsten seid ihr selber schuld, wenn es euch finanziell mies geht im Alter! *andenkoppklatsch

*Anmerkung
Die meinen das wirklich ernst. Was nehmen die für ein Zeugs so im Laufe des Tages?

**Anmerkung
Das ist übrigen genauso ein sinnfreies Geplapper wie die 5000 Euro Strafe für einen Hartz IV Empfänger wegen irgendwelcher Falschangaben: Wenn ich so viel Geld habe um diese Strafe bezahlen zu können, dann geh ich auch bestimmt aufs Amt und setz mich all diesen Erniedrigungen aus. Ist klar, oder?

Willst du mit mir gehen?

"Ich denke, die größte Angst vor dem Tod kommt daher, dass Menschen das Gefühl haben, sie hätten nie wirklich gelebt. Sie haben Angst zu sterben, weil ihre Leben unfertig sind."

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen wie das ist. Nein, nicht das Sterben, sondern dieses Gefühl nicht richtig gelebt zu haben. Meine Mutter, sie starb in genau dem Alter in dem ich mich jetzt befinde, hatte dieses Gefühl wohl. Das waren so viel Traurigkeit, so viel Zorn auf all die Ungerechtigkeiten und falschen Entscheidungen in ihrem Leben und so viel Angst vor dem Gehen müssen. Ich glaube, wir haben das letzte halbe Jahr damit verbracht ihr Leben zu sortieren und das einmalig Wunderbare in jedem Lebensabschnitt heraus zu arbeiten. Ja, am Schluss waren da mehr Gelassenheit und weniger Zorn. Aber, so richtig bereit zum Gehen war sie nicht.

Wenn ich an meinen Tod denke, dann habe ich das mir sehr früh geschenkte Bild von Castanedas Don Juan im Kopf, dass dir der Tod ein Leben lang über die Schulter guckt. Manchmal grüß ich ihn, manchmal halte ich Zwiesprache mit ihm und sehr oft halte ich inne und ziehe Resümee über mein bisheriges Leben und stelle mir vor, wie es sein würde, wenn er mich jetzt auffordern würde mit ihm zu gehen. Meistens würde ich ihm unbeschwert folgen können. An den Tagen, wo es nicht so ist, schaue ich mir genau an, woran es liegen könnte, was ich nicht loslassen will in diesem Moment und versuche es zu entwurschteln.

Und so komisch es sich anhören mag, grundsätzlich überwiegt doch die Neugierde meine Traurigkeit. Sterben und der Tod sind für mich das letzte Abenteuer, das ich nicht gedanklich vorwegnehmen, nicht vorfühlen und nicht durch innere Bilder und Filme vorab banalisieren kann. Ich kann es nur erleben, indem ich es irgendwann real leben werde. Den Tod (er)leben - was für ein irres Sprachgebilde.

Verbündete

Blitzlichter von Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis (dem zunehmenden Alter geschuldet?), die ich bisher gar nicht zu haben glaubte. Staunendes Annähern und wachsender Respekt  für die Kleine in mir. Ich lieb sie, immer mehr.

Was für ein irrer und verrückter Prozess. Noch ganz am Anfang. Das wird spannend.