......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt

"Sex im Alter findet in der Wahrnehmung nicht statt, weil die Gesellschaft sich scheut, faltige, nackte Haut zu zeigen."

Endlichkeiten

Das sich langsam einschleichende Bewusstsein für die Endlichkeit eines jedweden Daseins, also auch des meinigen, versetzt mich immer mehr in Widerspruch zu den mich umflutenden absurd verlogenen Heilsversprechungen einer Gesellschaft, die mit eilender Hast und nicht sättigender maßloser Prasserei mein Alter und meinen künftigen Tod bis zur Bedeutungslosigkeit zu übermalen versucht. Diesem übergriffigen Enteignungsversuch des mir ganz und gar Eigenen werde ich mich bis zum letzten Handkuss des Gevatters mit Lust und lachendem Gemüt standhaft widersetzen.

Lockende Stille

Es fällt mir mit zunehmendem Alter schwerer, die Dinge beim Namen zu nennen. Nicht, weil ich ihre Namen nicht wüsste, sondern weil ich sie schon so oft wiederholt habe. Die Quelle in mir, die mich all die vergangenen Jahrzehnte ermutigt hat, wieder und wieder geduldig die gleichen Sachverhalte aufzuzeigen, zu erklären, zu deuten, gluckert an manchen Tagen nur noch rinnsälig vor sich hin. Es kostet mich heute mehr Kraft als früher den zukunftstragenden Sinn hinter meinem Engagement zu erkennen und ihn als Motivationsbeschleuniger anzuzapfen. Es ermüdet, wenn man sieht, wie mühsam Entwicklung bei den Menschen läuft, wie träge Erkenntnis sich verbreitet und welchen depperten Abzweigungen und welchen erbärmlichen Rückschritten sich Menschlichkeit tänzelnd weltweit hingibt.

Auf der anderen Seite beschimpfe ich mich dann des Öfteren als anmaßend, lernte ich doch, dass man eigene Erfahrungen nicht eins zu eins an die Nachkommenden weiter geben kann, sondern jeder Mensch seine eigenen machen und selbstständige Schlüsse daraus ziehen können muss. Und dann schreibe und rede ich wieder in der Hoffnung, hilfreich kleine Puzzleteile zum eigenständigen Denken an die Hand geben zu können.

Jedoch ermüde ich schneller und lasse mich fallen in eine Stille in mir, die ich als wohltuend und schützend empfinde. Nur das Lächeln meiner kleinen Enkelin durchbricht diese Stille dann. Sie, mit ihren klugen fragenden Augen. Dann weiß ich sofort, warum ich die Namen der Dinge auch noch hunderttausend Mal wiederholen werde.