......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt

"Sex im Alter findet in der Wahrnehmung nicht statt, weil die Gesellschaft sich scheut, faltige, nackte Haut zu zeigen."

Kälte

Kalt. Kälter. Wir leben vor, was wir selbst nicht erleben wollen. Wir legen Spuren, auf denen uns die nachfolgende Generation vielleicht unbedacht folgen wird.
Oder?
ZwischendurchGedanken zum 2. Advent, die, trotz Kerzenschein und heißem Kaffee, beunruhigend durch mein Gemüt huschen.


Früher

„Früher war alles besser!“ ist der panische Ausweichhüpfer in eine Sehnsucht nach dem Etwas, was niemals wirklich war.

Das was war, war anders.
Und es war gut.
Das was ist, ist anders.
Und es ist gut.
Das was sein wird, wird anders sein.

Und das ist verdammt gut :-) 


Hunger

Manchmal verstehe ich uns Menschen noch nicht ganz. Wir töten Drachen, komponieren Lieder, erobern Länder, verfassen tief geistige philosophische Werke, erforschen den Weltraum und den Meeresgrund oder stampfen neue, weltbewegende Religionen aus dem Nichts. Gründen Firmen, Familien, Parteien, Regierungen, Konzerne, Hilfsorganisationen, Netzwerke. Wir sind umtriebig, wild, verwegen, intelligent bis zum Anschlag, romantisch, liebevoll, unberechenbar, wunderbar fürsorglich, kaltschnäuzig. Wir tun und sind all dies mit Inbrunst und mit Können und dann sind wir auf einmal so round about 50.

Bumsbadautz….

Alles weg anscheinend. Alles Wissen, alle Erfahrung, alles Können, alle bisher so heftig erkämpften Werte – wie weggewischt. Da steht auf einmal ein großer, kleiner Mensch vor einem, mit zornigem, tränenumflorten Blick und stampft bebend mit den Füssen: „Ich will aber! Jetzt, gleich. Alles anders und auf einmal!!“

Da ist plötzlich so ein Hunger und eine Sehnsucht, eine Gier und ein Brennen auf und nach alldem, was man anscheinend bisher niemals hatte, erreichte, konnte, durfte, war. Gerade so, als wäre der vierzehnjährige Träumer, die zwölfjährige Träumerin aus einem tiefen langjährigem Schlaf erwacht und erinnere sich ganz frisch an eben diese Träume gerade jetzt wieder.

Dann wird gelöst, verworfen, umgebrochen, aufgegeben, beendet, zur Seite geschoben, los gelassen in einem Affenzahn und von außen betrachtet ohne Sinn und Verstand. Und dann? Dann wird gelebt, jawollja!

Ist das befreiend? Ist das dann endlich „das Leben“? Der Preis dafür: zu hoch, zu niedrig, egal? Besser jetzt als nie? Kann Mensch sich darauf vorbereiten? Was war das vorher, kein Leben, das Leben eines/einer anderen? Wird dann alles gut und besser? Ausbrüche, Abstürze, Überflug? Das ganz große Glück?

Leben?


Jetzt?

„Erzähl mir von der Liebe, alte Frau!“



Was soll ich dir von ihr erzählen, mein Junge? Sie ist ein schwierig Dingelchen. Sie lässt sich nicht bannen und nicht fordern. Sie lässt sich nicht zwingen und auch nicht hegen und pflegen. Sie ist oder sie ist nicht.
Sie weilt nicht in Zwischenräume, sie mag keine Schattierungen. Sie lässt sich nicht bestechen durch Träume und nicht fesseln durch Wünsche.

Sie ist ein Kind der Absolutheit und eine Tochter der Freiheit. Ihr Bruder heißt Tod und ihre liebste Freundin ist der Schmerz.

Voll schreiender Freude tanzt sie, das Messer zärtlich in der Hand. Sie ist die Einzige, die aus sich selbst heraus und ohne jede Regeln existiert.

Sie lässt sich nicht beirren durch falsch und richtig und sie pfeift auf Recht und Unrecht. Abwehr und Begehren lassen sie unberührt.

Äußerlichkeiten interessieren sie nicht und guter Ton und bedachtes Handeln lösen bei ihr nur ein gelangweiltes Schulterzucken aus. Sie ist unbestechlich und lässt sich nicht beschmeicheln.

Die Liebe ist Bestie und sanfter Hauch. Sie ist immer und zur gleichen Zeit Wahnsinn und Sinn zugleich. Sie ist oder sie ist nicht.“


„Aber, wie ist sie denn so real, so ganz und gar gelebt?“  


„Liebe kennt viele Formen und sie schert sich einen Dreck um irgendwelche Vorgaben, Regeln, Anweisungen und Gebote und sonstigen Mist. Sie kommt und geht und bleibt und wandelt sich - gerade so, wie es ihr passt. Und was passt oder nicht, entzieht sich oft dem wunderlichen Verstand, der doch nur immer will und fordert, der dies und das nur in dieser oder jener Form mag. Der Liebe ist dies egal.

Aber, die Liebe hat eine Schwester und die nennt sich Sehnsucht. Und diese ist nicht gar so willkürlich und autonom gestrickt.

Sie mag die kleinen Gesten: freundliche Worte zwischendrin; kleine Zärtlichkeiten; Verlässlichkeit; Umärmelungen; fürsorgliches Umfangen; Sinnlichkeiten über Tag und Nacht verteilt; Küsse und Streicheleinheiten, tiefehrliche Gespräche über alles und jedes; kleine Rituale, die für Gewissheit sorgen; gemeinsames Denken und Tun und ganz, ganz viel Nähe.

Vor allem jedoch braucht die Sehnsucht Nahrung, weil sie sonst verkümmert. Darum bittet und bettelt sie oft ihre große Schwester, die Liebe, an, ihr doch bei der Stillung ihres Hungers zu helfen. Doch die Liebe lacht nur und meint: „Schätzchen, dafür musst du schon selbst sorgen! Ich kümmere mich um solche Dinge nicht. Ich geh oder bleibe, auch wenn es viel oder gar nichts gibt. Ich ändere oft einfach nur meine Form. Manchmal pass ich mich den neuen Gegebenheiten an und manchmal halt nicht. Wie es mir so ist. Satt werde ich immer, weil ich mich aus mir selbst heraus nähre.“

So bleibt der kleinen Schwester Sehnsucht oft nur das Gehen und das Suchen nach neuer Nahrung.“

Morgendliche Liebeleien

"Normalerweise gehöre ich ja nicht zu der Sorte Menschen, die zu überschwänglichen Lobhudeleien neigen. Das weiß Du ja, meine Liebe.



Trotzdem möchte ich Dir jetzt, genau jetzt, in diesem Moment sagen, dass ich Dich einfach wunderbar finde!



Einer Frau steht eine gewisse Reife zweifellos gut zu Gesicht. Darüber hinaus bin ich sogar der Meinung, dass die faltig gereifte Weiblichkeit an sich zu denn ästhetisch hochwertigsten Gesamtkunstwerken in der Natur zu zählen ist.




Und wenn dann zu dem Alter und den unweigerlich dazu gehörigen Lebenserfahrungen auch noch ein einfach unverschämt gutes Aussehen hinzukommt, ein klassisch ausschweifender weiblich gerundeter Körper, voller Hügel und tief verträumter Täler, ein feminin markantes  Gesicht mit einem bezwingenden Blick, der den Männern die Knie weich und den Frauen den Schritt feucht macht, dann ist dies eine schon fast unwiderstehliche Kombination, mit der Frauen nur in deiner Altersklasse gesegnet sind.

Diese Augen, tief grün in Fältchen gebettet und strahlend, durchdringend, wie die eines Raubvogels, die etwas kühn großzügig verzupften Brauen darüber, die weit auseinander und wohlig gepolsterten Wangenknochen, welche zusammen mit dem energisch wackelnden Doppelkinn einen willensstarken Charakter verraten, die klassisch streng gemeißelte Stupsnase, die, dem Volksmund das Wort redend, eine überbordende Kreativität vermuten lässt, die sinnlich geschnittenen Lippchen, die sowohl Ernsthaftigkeit, als auch zügellose Wollust zu verheißen wissen, aber auch einen feinen Humor: Du bist ohne weiteres eine Weib, von dem Männer und Frauen träumen.



Ach Liebes, ich könnte Dich stundenlang betrachten, wie ein edles Kunstwerk, wie ein seltenes Getier, wie ein Wesen aus einem fernen Universum, ohne Deines Anblickes jemals müde oder satt zu werden.




So lege ich Dir also mein Leben und meine Liebe heute wie alle Tage wieder zu Füßen. Nimm sie in Deine Hände und spiele mit ihnen, lass sie wachsen und gedeihen unter Deiner Obhut. Schenk mir Dein strahlendes Lächeln und lass uns gemeinsam diesen Tag, ach was, diese Zeit und diese Welt erobern und verzaubern. Du, Du wundervolles Weib mit…"

"Heidi?! Heidi, was machst du da so lange vor dem Spiegel, und mit wem sprichst du gerade?"

"Bin schon fertig. Können wir dann endlich gehen?"

Zuverdienst

Martha ist 74. Jeden Morgen trägt sie noch die Zeitung im Ort aus. Sie ist froh und dankbar, dass sie diese Arbeit noch hat, denn ihre Rente reicht nicht aus und so hilft ihr der kleine Betrag, den sie sich damit dazu verdient beim Überleben. Das Aufstehen und Laufen fällt ihr schwer, besonders im Winter, wenn ihre alten Knochen kreischen bei jeder Bewegung. An Rücktritt wagt sie nicht mal zu denken.

Peter Pan

Meine neuste Wortschöpfung nach dem Besuch diverser virtueller und realer Seniorenveranstaltungen: Seniorales PeterPanSyndrom -> So! werde ich nie alt!