Meine neuste Wortschöpfung nach dem Besuch diverser virtueller und realer Seniorenveranstaltungen: Seniorales PeterPanSyndrom -> So! werde ich nie alt!
......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt
Eros und Tod
Die Beziehungsgeflechte von Eros und Tod
sind vielfältig vielschichtig und haben in der menschlichen Geschichte immer
wieder verschiedene Transformationen durchlaufen. Die Faszination, aber auch die
Abwehr, gar die Verleugnung und Negativbesetzung beider liegen wohl in den ihnen
immanenten Grenzerfahrungen und dem
Überschreiten derselben. Beide brechen Tabus und scheren sich in ihrem Begehren
nicht um Konventionen, Geschlecht, Alter, Herkunft. Weder Tod noch Eros lassen
sich von einem „Das tut man doch nicht!“ beeindrucken.
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| Munch |
Ein persönliches Resümee zum Älterwerden - Zwischenstopp:
1. Die Wichtigkeit vieler Dinge gewichtet sich anders.
2. Ich muss mir und der Welt nichts mehr beweisen. Ich kann
aus mir selbst heraus agieren, anstatt mir permanent einen Kopp um die von mir
erwarteten Reaktionen zu machen.
3. Mir selbst genügend, fühle ich mich wohlig in mir und kann
mir dieses und jenes Verrückte, diese oder jene mir zugehörige Klatsche
verzeihen und als ein Teil von mir wohlwollend akzeptieren und es gut sein
lassen.
4. Der Blick zurück ist weicher und liebevoller als noch vor
Jahren. Viele „Warums“ haben sich in ein ruhiges „So isses halt gewesen“
gewandelt.
5. Mein Körper ist mein Zuhause und ich leb recht vergnügt
in ihm, ohne dass ich permanent an der Fassade rumrenovieren müssen müsste.
Auch mit flachen Absätzen, Kugelbauch und legerer Kleidung fühle ich mich schön
und begehrenswert.
6. Meine Sinnlichkeit geht tiefer und ist verzweigter. Ich
weiß, was ich will und was net und kann es mitteilen. Auf der anderen Seite hat
sich mein Selbstbewusstsein von dem befriedigten Schnaufen meines
Sexualpartners gelöst und ich höre mehr auf das eigene Schnurren.
7. Die Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmtheit meiner Arbeit
ist mir noch wichtiger geworden als der sich durch mehr Angepasstheit
möglicherweise sich ergeben könnende materielle Gewinn oder eine anzustrebende
Statuserhöhung.
8. Nein-Sagen fällt mir viel leichter und beim Ja-Sagen fehlt
immer öfter das „aber“.
9. Bei Freundschaften wird dem Gewachsenen mehr Zeit und Aufmerksamkeit
zugestanden als dem flüchtigen Bekannt sein. Qualität kommt heute vor
Quantität. Faule Kompromisse, aus Angst vor einem Verlassen werden, reduzieren
sich zunehmend.
10. Ich tanze in Beziehungen nicht mehr auf Zehnspitzen
durch vermutete Minenfelder, sondern nehme auch Explosionen in Kauf, streichle
meine Wunden heil und sterbe nicht mehr den Dramentod, wenn jemand geht.
11. Alleinsein erschreckt mich nicht mehr so schrecklich und
Einsamkeit kann ich immer besser selbst beenden.
12. Nur das Abschied nehmen beim Tod von Menschen, die mich
über Jahrzehnte begleiteten – das, das ist noch immer so schrecklich schwer. Da
fehlt mir immer noch die innere Ruhe und Gelassenheit.
Abschied
Abschied nehmen ist eine Lektion des Alterns, die schwerer ist als alles Bisherige in meinem Leben. Sie will gelernt sein und sträubt sich doch ein wenig.
Märchen
Ich habe die folgende Geschichte als kleines Mädchen geliebt. Immer wieder mussten meine Erwachsenen sie mir vorlesen... bis ich sie dann irgendwann selbst lesen konnte. Das Märchenbuch, "mein Schatz", habe ich heute noch und je älter ich werde, um so lieber schmökere ich wieder darin. Es ist mir wohlig heimatlich dabei.
Der alte Großvater und sein Enkel
Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm naß.
Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen.
Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen.
»Was machst du da?« fragte der Vater.
»Ich mache ein Tröglein«, antwortete das Kind, »daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.«
Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.
(Gebrüder Grimm)
Zahlentanz
Ich möchte mein Leben nicht noch einmal wiederholen. Da gibt es nicht viel, was ich heute anders machen würde. Eigentlich gab es in der Rückschau in den letzten Tagen nur eines: Ich würde heute lieber Jura denn Pädagogik und all die anderen Fächer studieren. An diesem Entscheidungspunkt damals hätte ich mir Menschen an meiner Seite gewünscht, denen ich sowohl hätte vertrauen als auch hätte zuhören können. Menschen, die mich ermutigt und, ja auch, darin unterstützt hätten, meinem eigentlichen Wunschstudium trotz materieller Ängste nachzugehen. Nun, dem war nicht so und die rückbezügliche Nachdenklichkeit darob hält sich in Grenzen.
Trotzdem ist eine Traurigkeit ab und an vorhanden. Sie speist sich aus dem immer öfters ins Bewusstsein vordrängelndem Wissen um die Endlichkeit meiner Lebenszeit, das sich nun auch noch mit den von mir immer mit leichter Abneigung beäugten Zahlen verbündet. Nochmal sechzig, siebzig Jahre werden es nicht sein, sogar die fünfundfünfzig ist eher unwahrscheinlich. Vierzig, ja, die wären machbar. Vielleicht. Eher wohl eine Drei plus irgendwas. Diese Zahlen hüpfen immer öfters durch mein Gemüt, umflattern und pieksen mich auf eine mir bisher unbekannte Art und Weise. Zahlenteufelchen. Ich brauche einen Bannspruch dagegen.
Ein Teil von mir weiß ja die Zutaten dazu: Im Hier und Jetzt sich aufzuhalten und dem Zukünftigen und Vergangenen weniger Bedeutung zuzumessen. Aber, dies sagt sich so leicht dahin, wenn der Körper immer mal wieder mit Befindlichkeitsstörungen der neuen Art auf seinen langsamen Verfall aufmerksam macht und um Gehör bittet. Schwupps bin ich drin in der Zahlenfalle.
Ich könnte ihnen auch Röckchen und Kleider anziehen, den Zahlen. Komische Masken aufsetzen und sie eine Dachbodenpolka vorführen lassen. Ja, sie sollen mich erheitern und nicht ärgern. Sie sollen tanzen und kichern und sich bunt chaotisch mischen und gemeinsam mit mir lachen.
Immer dabei
Egal wo ich hingehe
Ich nehme mich
Immer mit.
Meine Gesellschaft
Meine Gesellschaft
Macht mir Freude
Sie ist mir
Genuss und Bereicherung
Immer noch
Immer noch
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