......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt

Faltenreich


FaltenReich

Reich an Falten
Wurzeln gleich
Tiefe Täler
Säuseln leis
Spinnen Gräben
SpurenReich
Sanfte Winde
Gerben mich
InnenReich
Veräußert sich

Mit zunehmendem Alter verändert sich mein Körper. Zipperleins und Befindlichkeitsstörungen melden sich in kürzeren Abständen. Selbstheilungskräfte haben öfters Schluckauf an der Startlinie. Falten, Flecken, Kuhlen, dünneres Haar, hängendes Kinngeschwabbel und schwimmende Augen in der Früh schieben sich vergnügt tänzelnd in den Vordergrund. Alles im Rahmen, alles okay. Seit einigen Tagen bemerke ich jedoch etwas, was mich irritiert: Meine Körperwahrnehmung verändert sich insofern, dass ich Abstände nicht mehr intuitiv einschätzen kann. Ich stoße an. Türrahmen, Schrankecken, Menschen neben mir und so was. Ähm, ich habe keine Berührungsängste, doch das nervt. Über Tuchfühlung würde ich gerne weiterhin autonom und selbstbestimmt entscheiden.

Ende

"Als ich vierzehn war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit einundzwanzig war ich verblüfft, wie viel er in sieben Jahren dazugelernt hatte." (Mark Twain)



Kälte

Kalt. Kälter. Wir leben vor, was wir selbst nicht erleben wollen. Wir legen Spuren, auf denen uns die nachfolgende Generation vielleicht unbedacht folgen wird.
Oder?
ZwischendurchGedanken zum 2. Advent, die, trotz Kerzenschein und heißem Kaffee, beunruhigend durch mein Gemüt huschen.


Früher

„Früher war alles besser!“ ist der panische Ausweichhüpfer in eine Sehnsucht nach dem Etwas, was niemals wirklich war.

Das was war, war anders.
Und es war gut.
Das was ist, ist anders.
Und es ist gut.
Das was sein wird, wird anders sein.

Und das ist verdammt gut :-) 


Hunger

Manchmal verstehe ich uns Menschen noch nicht ganz. Wir töten Drachen, komponieren Lieder, erobern Länder, verfassen tief geistige philosophische Werke, erforschen den Weltraum und den Meeresgrund oder stampfen neue, weltbewegende Religionen aus dem Nichts. Gründen Firmen, Familien, Parteien, Regierungen, Konzerne, Hilfsorganisationen, Netzwerke. Wir sind umtriebig, wild, verwegen, intelligent bis zum Anschlag, romantisch, liebevoll, unberechenbar, wunderbar fürsorglich, kaltschnäuzig. Wir tun und sind all dies mit Inbrunst und mit Können und dann sind wir auf einmal so round about 50.

Bumsbadautz….

Alles weg anscheinend. Alles Wissen, alle Erfahrung, alles Können, alle bisher so heftig erkämpften Werte – wie weggewischt. Da steht auf einmal ein großer, kleiner Mensch vor einem, mit zornigem, tränenumflorten Blick und stampft bebend mit den Füssen: „Ich will aber! Jetzt, gleich. Alles anders und auf einmal!!“

Da ist plötzlich so ein Hunger und eine Sehnsucht, eine Gier und ein Brennen auf und nach alldem, was man anscheinend bisher niemals hatte, erreichte, konnte, durfte, war. Gerade so, als wäre der vierzehnjährige Träumer, die zwölfjährige Träumerin aus einem tiefen langjährigem Schlaf erwacht und erinnere sich ganz frisch an eben diese Träume gerade jetzt wieder.

Dann wird gelöst, verworfen, umgebrochen, aufgegeben, beendet, zur Seite geschoben, los gelassen in einem Affenzahn und von außen betrachtet ohne Sinn und Verstand. Und dann? Dann wird gelebt, jawollja!

Ist das befreiend? Ist das dann endlich „das Leben“? Der Preis dafür: zu hoch, zu niedrig, egal? Besser jetzt als nie? Kann Mensch sich darauf vorbereiten? Was war das vorher, kein Leben, das Leben eines/einer anderen? Wird dann alles gut und besser? Ausbrüche, Abstürze, Überflug? Das ganz große Glück?

Leben?


Jetzt?