......................................................................Unsortiert, Verquert, Spontan, Geklaut, Verdaut und Ausgekotzt

Schlussworte

Wegweiser: "Würdest du dich auch so entscheiden, wenn du wüßtest, dass du nur noch kurze Zeit zu leben hättest?"

Frau Birkenbihls Schlusswort

Ach mein Herz in tiefer Trauer

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg mit Trauer umzugehen. Da gibt es kein richtig oder falsch. Da gibt es auch keine verallgemeinerbaren Zeitvorgaben.

Trauern im öffentlichen Raum ist jedoch nach wie vor ein Tabu Thema. Trauern tut man hinter verschlossenen Türen, ganz tief in sich drin. Hinter den hohen Mauern von zugeschriebener Depression jedoch darf unsere Trauer ab und an mal verschämt hervorblinzeln.


Trauer muss sich nicht rechtfertigen. Es wäre schön, wenn sie ganz unverkrampft einfach sein dürfte.


Feudel

Die Endlichkeit des eigenen Lebens wird einem durch das Sterben der vorangegangenen Generation quasi wie mit nem Feudel um die Ohren geknallt, damit man es ja nur nicht übersieht.

Halte dich.

Deine Hände zittern. Dein Mund murmelt Bläschen kauend zahnlos vor sich hin. Ab und an zuckt dein Bein, wie das eines kleinen Hündchens, im Schlaf. Dein Atem geht schwer und zögerlich. Deine Augen, vom Sandmann bestäubt, schauen blicklos zwischen den gefalteten Lidern hervor. Seit Stunden liege ich neben dir. Dein Anblick ermüdet mich nicht. Immer noch nicht. Nach all den Jahren, so vielen Jahren, kenne ich jede Regung, jeden Atemzug von dir. Bin ganz bei dir, ahne jede Zuckung, jedes Räuspern, jeden Aussetzer schon im Voraus. Atme mit dir. Du bist mir so nah. Hineinkriechen möchte ich in dich. Unsere Häute miteinander vernähen, dich ausfüllen mit mir, mich durchdrungen fühlen von dir. Streichelnd wandern meine Hände über deinen Körper, begrüßen jede Falte, jede Kuhle wie alte Freunde. Halten inne, erinnern sich gemeinsam. Ich halte dich. Du hältst mich. Auch wenn deine Arme keine Kraft mehr haben mich zu umschlingen, webst du wie immer einen sicheren Kokon um mich. Flüsternd ziehe ich dich mit mir in unsere Bilderwelt. Hauche Liebesworte, die unseren, sanft in dein Ohr. Singe dir unsere Träume, unser Leben, unsere Hoffnungen. Halte dich. Halte dich. Halte dich. Atme weiter für dich, wenn dein Atem nun schweigt. Lass dich gehen. Nehm dich mit.  

Schönheit

Altern ist ein Prozess. Beginnt bei der Geburt. Weiß ich. Dachte ich zu wissen. Hahaha, ich lach mich tot. (Also nicht wirklich.) Da ist anscheinend noch ne Menge Luft für tieferes Verständnis, Akzeptanz und einem freudig SichDreinGeben in mir.  Im Augenblick scheine ich eher in dieser Phase des „Sag mal Köper, spinnst du!“ verfangen zu sein. Er weigert sich, mit allen Tricks und voller Tücke, brav zu machen, was ich von ihm erwarte. Er zickt rum. Das kann ich ihm nicht durchgehen lassen. Also mute ich ihm einfach das zu, was er vor Jahrzehnten locker im Vorrübergehen gebracht hat. Ab und an lege ich sogar noch ne Schippe drauf. So als Anregung. Aber, er kämpft mit harten Bandagen gegen diese Zumutungen. Wir liegen quasi aktiv im Clinch miteinander. Er gewinnt. Absehbar. Das macht mich wütend. Wie mein Verstand sich in diesem Gerangel positioniert? Der verkrümelt sich mit nem Tässchen Tee, ner Kuscheldecke und Bücher über Körpersoziologie aufs innere Sofa, grinst weise und lässt mich toben. Verräter! Ich könnt kotzen! … Nein! Das gönne ich ihm nicht. Dem Körper. Und dem anderen auch nicht. *grummel


Never

„When I first found out how babies were born, I couldn't believe
it. To think that my mother and father could do such a thing.”

Then, after a moment's reflection:

“My father-maybe: but my mother-never!”


(O'Donohue 1987)

Gevatter Tod

„… Der erste, der ihm begegnete, das war der liebe Gott. Der wusste schon, was er auf dem Herzen hatte, und sprach zu ihm: "Armer Mann, du dauerst mich, ich will dein Kind aus der Taufe heben, will für es sorgen und es glücklich machen auf Erden." Der Mann sprach: "Wer bist du?" - "Ich bin der liebe Gott." - "So begehr' ich dich nicht zu Gevatter," sagte der Mann, "du gibst dem Reichen und lässest den Armen hungern." Also wendete er sich von dem Herrn und ging weiter. Da trat der Teufel zu ihm und sprach: "Was suchst du? Willst du mich zum Paten deines Kindes nehmen, so will ich ihm Gold die Hülle und Fülle und alle Lust der Welt dazu geben." Der Mann fragte: "Wer bist du?" - "Ich bin der Teufel." - "So begehr' ich dich nicht zu Gevatter," sprach der Mann, "du betrügst und verführst die Menschen." Er ging weiter; da kam der dürrbeinige Tod auf ihn zugeschritten und sprach: "Nimm mich zu Gevatter." Der Mann fragte: "Wer bist du?" - "Ich bin der Tod, der alle gleichmacht." Da sprach der Mann: "Du bist der Rechte, du holst den Reichen wie den Armen ohne Unterschied, du sollst mein Gevattersmann sein. …"


(Aus „Der Gevatter Tod“, ein Märchen der Brüder Grimm)